Video: Die ‚Kurdenkrawalle‘ 1993/1994 und der Erinnerungskonflikt um Halim Dener: Eine wissenssoziologische Diskursanalyse. Von Christian Hinrichs

Im Juli 1994 kam der kurdische Jugendliche Halim Dener, der mit Freunden gemeinsam Plakate für die Nationale Befreiungsfront Kurdistans (ERNK) in der hannoverschen Innenstadt klebte, im Zuge eines Polizeieinsatzes zu Tode. Daraufhin kam es zu einer öffentlichen Auseinandersetzung über die Todesumstände, den kurdisch-türkischen Konflikt an sich, der Verwicklung des deutschen Staates in diesem Konflikt und letztlich der Frage, ob und wie die Erinnerung Halim Dener im kollektiven Gedächtnis der Stadtgesellschaft zu verankert werden kann.


Bereits mit der Anwerbung der ersten Gastarbeiter*innen aus der Türkei (1963) hat sich – lange Zeit von der deutschen Gesellschaft kaum bemerkt – eine kurdische Diaspora in der Bundesrepublik entwickelt. In den 1990er Jahren eskalierte der Konflikt um die kurdische Frage in der Türkei abermals: Das Militär ging besonders gewalttätig gegen die kurdische Bevölkerung im Südosten der Türkei vor. Dieser Konflikt strahlte nach Europa aus und so kam es 1993/1994 zu den sog. Kurdenprotesten in Deutschland, worunter neben Demonstrationen auf der Straße und Besetzungsaktionen von Konsulaten/Botschaften gar Selbstverbrennungen in der Öffentlichkeit, wie im März 1994 in Mannheim. In diesem Zuge verbot die Bundesregierung im November 1993 die Kurdische Arbeiterpartei PKK.

Im Juli 1994 kam der kurdische Jugendliche Halim Dener, der mit Freunden gemeinsam Plakate für die Nationale Befreiungsfront Kurdistans (ERNK) in der hannoverschen Innenstadt plakatierte, im Zuge eines Polizeieinsatzes zu Tode. Daraufhin kam es zu einer öffentlichen Auseinandersetzung über die Todesumstände, den kurdisch-türkischen Konflikt an sich, der Verwicklung des deutschen Staates in diesem Konflikt und letztlich der Frage, ob und wie die Erinnerung Halim Deners in der Stadtgesellschaft zu verankern sei.

Der empirische Kern des Beitrags ist eine vergleichende wissenssoziologische Diskursanalyse der Presseberichterstattung zum Gedenken des, durch einen Polizeieinsatz 1994 in Hannover, zu Tode gekommenen kurdischen Jugendlichen Halim Dener. Dieses Thema stellt eine sozialwissenschaftlich bislang unbearbeitete Facette des türkischkurdischen Diasporakonfliktes in der Bundesrepublik Deutschland dar.

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