Video: Prokrastination. Subjektivierung. Affekt. Prokrastination aus individueller und gesellschaftlicher Perspektive vor dem Hintergrund der Subjektivierung von Arbeit. Von Diana Schieck

Dass nicht auf morgen verschoben werden sollte, was auch heute getan werden könnte, das weiß schon der Volksmund. Diese Mahnung wäre nicht so verbreitet, wenn nicht die Tendenz bestünde, es eben doch zu tun. Diese weitverbreitete menschliche Eigenheit avancierte zum psychologischen Fachbegriff: Prokrastination bezeichnet das unplanmäßige Aufschieben alltäglicher Aufgaben, welches im Übermaß mit einem subjektiven Leidensdruck einhergehen kann.


Als Gegenstand psychologischer Forschung ist Prokrastination ein recht junges Phänomen, das vormals eher in der Ratgeberliteratur behandelt wurde. Die akademische Psychologie nahm sich dem Thema erst in den 1980er Jahren an, wobei vor allem nach dem Zusammenhang mit bestimmten Eigenschaften der Persönlichkeit und der Aufgaben sowie motivationalen Bezügen der Handlungsplanung gefragt wurde.

Ziel des Forschungsprojektes ist es, eine interdisziplinäre Perspektive zu eröffnen, die zum einen psychoanalytisch–psychodynamische Aspekte (das subjektive Erleben) und zum anderen den gesellschaftlichen Kontext (die gesellschaftliche Bedeutung) von Prokrastination fokussiert. Die themenzentrierten Interviews stammen aus der Studie „Prokrastination. Psychoanalyse und gesellschaftlicher Kontext“, die an der International Psychoanalytic University Berlin von 2017–2018 unter der Leitung von Prof. Christine Kirchhoff durchgeführt wurden.

Die Betrachtung des Phänomens unter psychoanalytischen sowie soziologischen Perspektiven ermöglicht einen erkenntnistheoretisch fundierten Zugang zum Unbewussten der Prokrastination und ihrer latenten Bedeutung innerhalb des Individuums und der Gesellschaft.

Die Erläuterung der psychosozialen Bedeutung schafft schließlich die Verknüpfung von individuellen und gesellschaftlichen Aspekten der Prokrastination in Verbindung mit entgrenzter Erwerbsarbeit.

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